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Full text of "Die Rechtsverhältnisse des Sortimentsbuchhändlers"

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Die 



RecMsverhältnisse des Sortimentsbuchhändlers. 






INAUGÜRAL-DISSEKTATM 



m BLAKMC DH DOGIORWOHDS 



BEI DER 



JURISTISCHEN FACULTAT 



DER 



UNIVERSITÄT GIESSEN 



EINGEREICHT VON 



PAUL IKIER 



REFERENDA^ IN SCHWEDT A. 0. 



^^BERLIN. 

DRUCK VON M. DRIESNER, KLOSTERSTR. 50. 

1890. 




Q l^y^Ajly irarvard College Library, 
^ ^ ^^ Nov. 3,1801. 



By Bxöhang©* 



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LITTERATUR. 



Brinz, Kritische Blätter civilistischen Inhalts No. 1. 1852. 

Buchhändlerische Vericehrsordnung, Leipzig. 1888. 

H. Buhl in Goldschmidts Zeitschrift für Handelsrecht, Band XXV 
S. 142—180. „Das Konditionsgeschäft im deutschen Buchhandel.'^ 
zitiert: Buhl. 

Co sack, Lehrbuch des Handelsrechts. 1888. 

Dernburg, Pandekten, H. Band. 1886. 

Ende mann, das deutsche Handelsrecht, 3 Auflage. 1876. 

Endemann, Handbuch des deutschen Handels-, See- und Wechsel- 
rechts, HI. Band 8. 738-741. 1884. zitiert Endemann, Handbuch. 

K. Friedrichs in No. 68 des Börsenblatts für den deutschen Buch- 
handel vom 24. März 1890: „Metakritik zu dem Gutachten von 
Aug. Schlirmann^' in No. 58 dieses Blatts. 

Gengier, Lehrbuch des praktischen deutschen Privatrechts. 1852. 
Band I S. 468 f. 

Goldschmidt in seiner Zeitschrift für Handelsrecht, Band XXXHI: 
Kritik über Weidlings „das buchhändlerische Konditions- 
geschäft", S. 491-494. 

Häpe in der Allgemeinen Presszeitung von 1844 No. 57—60: „Auf 
wessen Gefahr lagern Novitäten, Disponenden und andere 
k condition gemachte Sendungen?" 

Hecht in Goldschmidts Zeitschrift für Handelsrecht, Band XU 
S. 319—323: „Aug. Schürmanns die Usancen des deutschen 
Buchhandels und der ihm verwandten Geschäftszweige", 1. Auf- 
lage, zitiert: Hecht. 

R. Koch, Sortimentsbuchhandel in F. v. Holtzendorffs Rechtslexikon, 
HI. Band I. Hälfte. 1881. S. 709-711. 

F. H. Meyer, die Organisation und der Geschäftsbetrieb des deut- 
schen Buchhandels. 1874, zitiert: Meyer. 

Pohls, Darstellung des Handelsrechts, Band L 1828. S. 241 f. 

V. Savigny, System des römischen Rechts, HI. Band. 1840. 

Schellwitz, Sortimentsbuchhandel in Weiskes Rechtslexikon. 1840. 
n. Band S 498-499. 

Schürmann, die Entwickelung des deutschen Buchhandels zum 
Stande der Gegenwart. 1880. zitiert: Schürmann, Entwickelung. 

SchUrmann, Magazin für den deutschen Buchhandel. 1875. zitiert: 
Schürmann, Magazin. 



Scliiirmann, die Usancen des deatEtchen Buchhandels. 1881. 2. Auf- 
lage, zitiert: Schürmann, Usancen. 

In demselben Band: Schiirmann, Grundordnung des deutschen 
Buchhandels nach seinen herrschenden Bräuchen, zitiert: 
Schiirmann, Grundordnung. 

Thöl, das Handelsrecht, I. Band II. Abteilung. 1876. 

0. V. Wächter in Goldschmidts Zeitschrift für Handelsrecht, 
Band II S. 479— 544: „Das Rechtsverhältnis zwischen dem Ver- 
leger und dem Sortimentsbuchhändler über die ä cpndition ge- 
gebenen Artikel", zitiert: Wächter. 

Konrad Weidling, das buchhändlerische Konditionsgeschäft. 1885. 

Windscheid, Lehrbuch des Pandektenrechts. 5. Auflage. II. Band. 1882. 



1 



Die 

Rechtsverhältnisse des Sortimentsbnchhändlers. 



§. 1. 

Welches Recht bietet die Grundlage für die Beurteilung 
der Sortimentsbuchhandelsgeschäfte ? 

Bis zu dem heutigen Tage haben die Gesetzgebungen in 
Deutschland eine eingehende genaue Fixierung der rechtlichen 
Grundsätze des Buchhandels nicht geliefert, obwohl gerade 
dieser Handelszweig vermöge seiner eigentümlichen Organisation 
und seiner zum grossen Teil eigenartig entwickelten Geschäfts- 
formen eine durchaus exeptionelle Stellung im Rechts- und 
Geschäftsleben einnimmt. Das allgemeine Deutsche Handels- 
gesetzbuch beschränkt sich darauf, im Artikel 272 Absatz 5 
die Verlags- und sonstigen Geschäfte des Buch- und Kunst- 
handels als Handelsgeschäfte zu erklären, wenn sie gewerbe- 
mässig betrieben werden. Es kommen daher bei der recht- 
lichen Beurteilung der Geschäfte des Buchhandels zunächst die 
Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs über den Handel zur 
Anwendung und soweit diese nicht ausreichend sind, nach 
Artikel 1 des Handelsgesetzbuchs die des Handelsgewohnheits- 
rechts und demnächst des allgemeinen bürgerlichen Rechts. 
Nach Artikel 278 des Handelsgesetzbuchs hat nun aber „der 
Richter bei Beurteilung und Auslegung der Handelsgeschäfte 
den Willen der Kontrahenten zu erforschen und nicht an dem 
buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften" und hier sind 
dann nach Artikel 279 die im Handelsverkehr geltenden Ge- 
wohnheiten und Gebräuche in Beziehung auf die Bedeutung 
und Wirkung von Handlungen und Unterlassungen zu berück- 



— 6 - 

sichtigen. Während also die auf der opinio iuris beruhenden 
Satzungen des Handelsgewohnheitsrechts nur überall da Platz 
greifen, wo das Handelsgesetzbuch keine Bestimmungen, weder 
absolute noch dispositive, getroffen hat — hier allerdings an 
erster Stelle, so dass das Handelsgewohnheitsrecht auch das 
allgemeine bürgerliche Recht abzuändern imstande ist — , 
können die bloss thatsächlich im Handelsverkehr geltenden 
„auf der reinen opinio utilitalis und dem Grundsatze blosser 
Konvenienz basierenden" ^ Geschäftsgebräuche oder Usancen, 
welche als Interpretationsmittel für den beim Vertragsschluss 
vorhandenen, aber nicht ausdrücklich erklärten Willen dienen, 
sogar dispositive Bestimmungen des Handelsgesetzbuchs ab- 
ändern. Neben diesen bloss thatsächlichen Usancen, welche, 
soweit und weil von den Vertragsschliessenden nichts anderes 
ausgemacht ist, als stillschweigende Willensäusserung gelten^), 
kommen als erkennbar gewollte Vertragsbedingungen^) im 
Buchhandel noch die von Buchhändlervereinen öffentlich be- 
kannt gemachten oder von einzelnen Buchhändlern ihren ein- 
zelnen Kunden mitgeteilten als leges contractus^) für den Ver- 
kehr mit ihrer Firma aufgestellten Bestimmungen in Betracht, 
aber nur für die Fälle, in denen auf Grund dieser Bestimmungen 
Geschäfte abgeschlossen werden^). Es ist also, um das Vorher- 
gesagte kurz zusammenzufassen, das Handelsgesetzbuch ergänzt 
in erster Linie durch das Handelsgewohnheitsrecht, in zweiter 
Linie durch das allgemeine bürgerliche Recht, erweitert und 
hinsichtlich seiner dispositiven Bestimmungen zum Teil ab- 
geändert durch die Gebräuche im buchhändlerischen Geschäfts- 
verkehr, was der juristischen Beurteilung der Rechtsverhältnisse 
des Buchhandels zur Grundlage dienen muss. 

Die Geltung und Bedeutung der vom gewöhnlichen Ge- 
schäftsleben abweichenden buchhändlerischen Usancen zeigt sich 



'] Weidling, das buchhändlerische Konditionsgeschäft S. 45. 

») Weidling, a. a. O. S. 36. 

3) Goldschmidt, Zeitschrift für Handelsrecht, Band XXXIII. S. 491. 

*) Weidling, a. a. O. S. 46. 

Buhl S. 147. 
s) Weidling, a. a. O. S. 47 f. 



■-\ 



— 7 — 

ain häufigsten und tritt am deutlichsten hervor bei den Ge- 
schäften des Sortimentsbuchhändlers, dessen Rechtsverhältnisse 
in Folgendem einer eingehenden Prüfung unterworfen werden 
sollen. Der Sortimentsbuchhändler, auch Sortimenter genannt, 
hat den Vertrieb der vom Verleger in den Handel gebrachten 
Artikel zu bewirken, er hat also den kaufmännischen Teil des 
Geschäfts zu betreiben, im Gegensatze zum Verleger als Fabri- 
kanten V. Der Sortimenter ist also die Mittelsperson zwischen 
Verleger und Publikum, und es ist deshalb auch eine zwei- 
fache Geschäftsthätigkeit des Sortimenters zu unterscheiden, 
nämlich die, welche ihn vermöge des Einkaufs der Waren 
in Beziehung zum Verleger und die, welche ihn beim Verkauf 
in ein Verhältnis zu dem kaufenden Publikum bringt. Im 
Anschluss hieran scheint sich die Behandlung der Rechtsver- 
hältnisse des Sortimenters auf die beiden Geschäftsverhältnisse 
desselben 1) zum Verleger, 2) zum Publikum erstrecken zu 
müssen. Da indes der Verkehr zwischen Sortimenter und 
Publikum in den gewöhnlichen Rechtsformen stattfindet^) und 
aus den zwischen beiden Teilen geschlossenen Geschäften dem 
Sortimenter nicht andere Rechte und Pflichten erwachsen, wie 
jedem andern Kaufmann aus den beim Vertriebe seiner Waren 
erfolgten Geschäften, so können wir das Verhältnis zwischen 
Sortimenter und Publikum aus dem Rahmen unserer Betrach- 
tung ausscheiden und uns auf die Untersuchung der Rechts- 
verhältnisse zwischen Sortimenter und Verleger beschränken, 
wie sie sich in dem Geschäftsverhältnis beider hinsichtlich der 
einzelnen von ihnen abgeschlossenen Geschäfte ergeben, und 
zwar wollen wir dies in der Weise thun, dass wir zuerst ein 
Bild der äusseren Formen des Geschäftsverkehrs zwischen 
Sortimenter und Verleger, wie er sich usanziell entwickelt hat, 
geben, um dann auf Grund dieses feststehenden Materials die 
juristische Natur des Geschäftsverhältnisses und der aus dem- 
selben für beide resultierenden Rechte und Pflichten zu prüfen. 



1) Schellwitz, Sortimentsbuchhandel in Weiskes Rechtslexikon 1840, 
II. Band, S. 498. 

*) Cosacky Lehrbuch des Handelsrechts, S. 286. 



8 



§.2. 

Äussere Form des Geschäftsverkehrs zwischen Sortimenter 

und Verleger. 

Bezugsweisen der Ware. 

Der Sortimenter bezieht seinen Bedarf vom Verleger ent- 
weder „gegen bar" oder „in Rechnung". Während beim Bar- 
kauf die beiderseitigen Leistungen Zug um Zug vor sich gehen, 
durch welche das Rechtsgeschäft abgeschlossen ist, gilt für 
alle Lieferungen in Rechnung die Leipziger Ostermesse des 
dem Lieferungsjahre folgenden Jahres als handelsübliche 
Zahlungszeit. Die Lieferung „in Rechnung" kann erfolgen 
„fest" und „ä condition" oder „pro novitate". Bei Geschäften 
in fester Rechnung wird der Käufer bei Übergabe der Bücher 
durch die Kreditierung des Kaufpreises auch nach gemeinem 
Recht sofort Eigentümer derselben; es finden somit auf Fest- 
wie Bar-Geschäfte die allgemeinen Grundsätze des Warenkaufs 
Anwendung. Anders ist es bei den vom Verleger ä condition 
d.h. auf Rücksendung oder pro novitate, d. h. auf Neuigkeiten 
bewirkten Sendungen, welche dem Sortimenter mit der Auf- 
lage zugehen, sie entweder binnen der handelsüblichen Frist 
zurückzusenden oder den Preis zu zahlen. Das durch solche 
Sendungen zustande kommende Geschäft nennt man Konditions- 
Geschäft. Ein praktischer Unterschied zwischen ä condition 
und pro novitate Sendungen besteht nur insofern, als 1) ä con- 
dition Sendungen nur auf ausdrückliches Verlangen, pro novi- 
tate Sendungen hingegen auch auf generelles Ersuchen oder 
sogar gänzlich unverlangt ausgeführt zu werden pflegen, in 
welch letzterem Falle erst durch Annahme seitens des Sorti- 
menters das Konditionsgeschäft perfekt wird^), 2) ä condition 
auch ältere Artikel bezogen werden können, pro novitate 
natürlich nicht. Die Artikel, welche dem Verleger auf Grund 
eines Konditionsgeschäfts zurückgeschickt werden, heissen Re- 
mittenden. 



) Weidling, a. a. O. S. 17. 



— 9 — 

§ 3. 
Transportkosten. 

Die dem Sortimenter bei Reraissionsartikeln für den Ver- 
such des Absatzes gesetzte Zeit kann nicht willkürlich vom 
Verleger abgeändert werden. Der erstere hat vielmehr einen 
wohlbegründeten Anspruch darauf, die betreffenden Bücher die 
ganze Zeit hindurch zum Verkauf zu behalten, weil ihm die- 
selben auch erhebliche Aufwendungen an Geld verursachen. 
Letzteres ist zum teil auf die eigentümliche Organisation des 
deutschen Buchhandels zurückzuführen. Der ganze buch- 
händlerische Geschäftsverkehr Deutschlands hat zum Zentral- 
punkt Leipzig, wo jeder Verleger und Sortimenter seinen Kom- 
missionär haben muss, wenn er an den Vorteilen der einheit- 
lichen Geschäftsbedingungen des Buchhandels teilnehmen wilP). 
Die Bestellungen gehen durch die Hand des Sortimenterkom- 
missionärs an den Verlegerkommissionär und von diesem an 
den Verleger. Die Ausführung des Auftrags erfolgt auf dem- 
selben Wege umgekehrt vom Verleger zum Sortimenter zurück. 
Nun hat sich usancemässig die Verbindlichkeit des Sortiments- 
buchhändlers herausgebildet, die Transportkosten von Leipzig 
zu tragen, während der Verleger für den Transport bis Leipzig 
einzustehen hat. Die Remittenden (und Disponenden) njuss 
wiederum der Sortimenter bis Leipzig kostenfrei zurücksenden, 
wo sie der Kommissionär des Verlegers in Empfang nimmt. 
Wünscht einer von beiden Teilen, der Sortimenter bei der Be- 
stellung, der Verleger bei der Rücksendung, direkte Lieferung, 
so hat der betreffende, der von dem gewöhnlichen Wege über 
Leipzig abweichen will, die Transportkosten ganz zu tragen^). 

Auf diesen Auslagen zwecks des Transports der Bücher 
mit Zurechnung der Vertriebskosten und der dem Leipziger 
Kommissionär für die- Expedierung zustehenden Spesen basiert 
das unzweifelhafte Recht des Sortimenters, die Remittenden 
bis zum Abrechnungstermin behalten zu dürfen, allein ausge- 



*) Schiirmann, Entwickeliing S. 302. 
') Schürmann, Usancen S. 34. 



— 10 — 

nommen den Fall, wo der Verleger sogleich bei Abschluss des 
Vertrages sich das Recht früherer Rückforderung vorbe- 
halten hat^). 

Eine nur scheinbare Abweichung hiervon bestimmt die 
Buchhändlerische Verkehrsordnung^) im § 31, indem nach ihr 
^der Sortimenter dem Verlangen des Verlegers, ä condition ge- 
lieferte Werke im Laufe des Jahres" — also vor dem usance- 
mässigen Remissionstermin — „zurückzusenden, thunlichst 
nachkommen soll". „Der Verleger ist aber", heisst es weiter, 
„falls nicht diesbezüglich ausdrückliche Abmachungen zwischen 
ihm und dem Sortimenter durch Vorbehalt auf den Begleit- 
fakturen etc. getroffen sind, nicht berechtigt, die Rücknahme 
solcher Werke zur Buchhändlermesse zu verweigern." Während 
sich also dieser zweite Satz vollständig unsern Ausführungen 
anschliesst, scheint der erste Satz den Sortimenter ganz in die 
Macht des Verlegers zu geben. Die Wirkung dieses ersten 
Satzes, dass der Sortimenter dem Verleger jederzeit auf Er- 
fordern die Konditionsware zurücksenden muss, ist aber durch 
das „thunlichst" in dem Masse abgeschwächt, dass ein prakti- 
scher Erfolg dieser Bestimmung für den buchhändlerischen 
Verkehr ausgeschlossen zu sein scheint, schon aus dem ein- 
fachen Grunde, weil die Auslegung dessen, „was unter thun- 
lichst zu verstehen ist", doch zunächst immer dem Sortimenter 
zufallen wird. Unseres Erachtens kann die Rechtsunsicherheit 
durch diese unklare Bestimmung der Buchhändlerischen Ver- 
kehrsordnung, — welche die Entscheidung ganz dem subjektiven 
Ermessen einer Partei und in zweiter Instanz des Richters 
überlässt, — nur erhöht werden. 

§ 4. 
Preis und Rabatt. 

Diese dem Sortimenter erwachsenden Unkosten, welche 
im gewöhnlichen' Geschäftsverkehr unter Kaufleuten dem Käufer 
nicht zufallen, erfordern als Äquivalent einen Einkaufspreis, 



') Buhl S. 155. 

^) Bachhändlerische Verkehrsordouiig, Leipzig. 1888. 



— 11 — 

der ihm einen entsprechend höheren Verdienst ermöglicht. 
Der Verleger bestimmt den Ladenpreis oder Ordinärpreis, der 
für das Publikum gelten soll, und in Form eines nach Pro- 
zenten geregelten Nachlasses oder Rabatts vom Ladenpreise 
den Netto- oder Buchhändlerpreis, den die Buchhändler zahlen 
müssen^. Der Rabatt schwankt mit der Zeit und diiferi^rt je 
nach der Art der Geschäfte, welche abgeschlossen werden. 
Gegenwärtig gilt fast allgemein als der gewöhnliche Minimal- 
rabatt 25% vom Ladenpreise, wobei der Sortimenter 33 73% 
vom Einkaufspreise verdient. Dieser Rabatt ist der meist auf 
Konditions- und Novasendungen angewendete. Nur die Ge- 
währung dieses Rabatts von 25 ^/o verpflichtet den Sortimenter 
zum Tragen der Frachtspesen^), im entgegengesetzten Fall er- 
wachsen dem Verleger die Kosten aus dem Transport. 

Bei Lieferungen in fester Rechnung wird häufig ein Rabatt 
von 33V3®/o und bei Bar- und Partiekäufen von 40 — 50% 
erzielt. Doch müssen diese Preise besonders ausgemacht sein, 
widrigenfalls der gewöhnliche Rabatt von 25% angenommen 
wird. Bei Partiekäufen wird vielfach der Rabatt noch durch 
Freiexemplare erhöht. 

§5. 
Offerte und Aeceptation. 

Das Kaufgeschäft zwischen Verleger und Sortimenter kommt 
zustande durch Offerte und Aeceptation. Die Offerte kann 
sowohl vom Sortimenter, als auch vom Verleger ausgehen. 
Meist erfolgt die Lieferung der Bücher auf Verlangen des 
Sortimenters. Sein Antrag kann entweder speziell eine Be- 
stellung bei einem bestimmten Verleger auf Lieferung ganz be- 
stimmter Bücher enthalten oder er kann generell gefasst sein. 
Letztere Art von Anträgen erfolgt entweder durch Versendung 
von Zirkularen an einzelne Verleger oder durch Mitteilung im 
„Allgemeinen Adressbuch für den deutschen Buchhandel". Die 
generelle Offerte kommt indess nur vor bei Novitäten und zwar 



») Meyer S. 49. 

') SchärmanD, Entwickelung S. 301. 



— 12 — 

auch hier meist mit einschränkenden Modifikationen, so dass 
sich z. B. der Sortimenter bereit erklärt, Novitäten nur aus 
einem oder mehreren näher zu bezeichnenden Gebieten anzu- 
nehmen. Ausserdem setzen solche Oiferten immer stillschwei- 
gend beiderseitige Anerkennung der usancemässigen Bedingungen 
voraus. Als Novitäten werden hier nur angesehen die im 
laufenden Kalenderjahre erschienenen und noch nicht zur Ver- 
sendung gekommenen Artikel. Nicht als Novitäten gelten alte 
Bücher, die unter neuen Titeln erscheinen, wohl aber neue 
Auflagen und neu gedruckte Ausgaben*). Ist die Zahl der ge- 
wünschten Exemplare nicht angegeben, so gilt im Zweifel eins 
als verlangt. Diese generellen Oiferten des Sortimenters haben 
nach den bestehenden Usancen bindende Kraft. Es findet hier 
nicht etwa das im Artikel 337 des Handelsgesetzbuchs für Of- 
ferten zum Verkauf ausgedrückte Grundprinzip, dass allgemein 
gehaltene Offerten keinen verbindlichen Antrag zum Kauf ent- 
halten, analoge Anwendung. 

Der Sortimenter muss auf eine derartige generelle Offerte 
hin effektuierte Lieferungen annehmen und darf nicht etwa 
Zahlung der Transportkosten verweigern^). Sind ihm dagegen 
ohne vorausgegangene Offerte seinerseits Novasendungen zu- 
gegangen — welche dann als Offerte des Verlegers aufzufassen 
sind und daher erst durch Annahme seitens des Sortimenters 
den zum Vertrage nötigen Konsens herbeiführen und somit das 
Geschäft perfekt machen — so ist er nicht verpflichtet, selbige 
anzunehmen, kann sie vielmehr dem Absender zur Disposition 
stellen oder mit Nachnahme der Rücktransportspesen zurück- 
schicken. 

Bei Bestellungen speziell bestimmter Bücher bedient man 
sich gewisser Formulare: der Wahl- und Verlangzettel. Die 
Wahlzettel, welche von den Verlegern versandt werden, bringen 
Ankündigungen von Neuigkeiten, die nähere Bezeichnung der • 
Artikel, Preis, Bezugsbedingungen, kurz, sie geben dem Sorti- 
menter alles das an, was er zur Erteilung seines Auftrages 



*) Schürroann, Usancen S. 39. 
«) Buhl S. 148. 



-- 13 — 

wissen muss*) und verlangen, dass bei Bestellungen der Name 
der bestellenden Firma zugeschrieben wird. Es ist eine all- 
gemeine Offerte, welche nach Artikel 337 des Handelsgesetz- 
buchs für den Verleger nicht rechtsverbindlich ist, so dass die 
auf Grund eines Wahlzettels gemachte Bestellung nicht als 
Annahme einer Offerte, sondern als neue Offerte gilt. Die 
Wahlzettel enthalten demnach nur eine Aufforderung Offerten 
zu machen. Die Verlangzettel enthalten ausser den für die 
Aufträge nötigen Bezeichnungen gewisse Vorbehalte far Preis- 
ermässigungen und verschiedenartige Bezugsbedingungen^). Was 
nicht als ä condition zu liefern ausdrücklich angeführt ist, 
gilt als „fest" bestellt. Ein bedeutungsvoller Unterschied der 
Verlangzettel von den Wahlzetteln ist darin zu finden, dass 
auf die Verlangzettel der Name der bestellenden Firma herauf- 
gedruckt, also keine Unterschrift nötig ist, weswegen viel 
leichter ein Missbrauch mit diesen Formularen getrieben werden 
kann z. B. durch Unterschlagung solcher Formulare, Ausfüllung 
derselben und Unterschlagung der auf dieselben folgenden 
Lieferungen oder durch Fälschung der Exemplare durch Nach- 
druck und darauf folgende Unterschlagung der Sendungen. Es 
fragt sich nun, wer im Falle eines solchen Missbrauchs den 
Schaden trägt. Diese Frage ist im Anschluss an die Aus- 
führungen Weidlings^) und Schürmanns^) dahin zu beantworten, 
dass derjenige, welcher zunächst oder allein imstande ist, den 
Betrug zu verhüten, als betrogen anzusehen ist und demgemäss 
allein den Verlust auf sich nehmen muss. 

Hat nun also der Verleger Bestellungen auf gefälschte, 
d. h. vom Betrüger angefertigte Verlangzettel ausgeführt, so ist 
er, da der Sortimenter als ausserhalb der ganzen auf die 
Lieferung hinzielenden Operation unfähig ist, seinerseits den 
Erfolg des Betrugsversuchs zu beeinflussen, ganz allein in 
der Lage, den Betrug zu merken, da bei einer Fälschung 



I) Schürmann, Usancen S. 42. 
*) Schürmann, Usancen S. 43. 
») Weidling a. a. O. S. 69. 
*) Schürmann, Usancen 8. 50 - 52. 

Schürmann, Magazin 1875. S. 136. 165. 



— 14 — 

ja immerhin die Möglichkeit vorliegt, sie zu erkennen und 
er allein ist daher für den Ausfall verantwortlich. Bedient 
sich dagegen der Betruger solcher Formulare, welche der 
Firma des Sortimenters entwendet sind — welche der Sorti- 
menter also ebenso gut selbst, wären sie nicht entwendet, 
zu Bestellungen hätte benutzen können — , so ist der Ver- 
leger ausserstande , die Täuschung zu bemerke, während 
es vollständig in der Macht des Sortimenters liegt, die Ver- 
wendung seiner Verlangzettel in seinem Geschäftsbetriebe zu 
überwachen. Man kann es also der eigenen Schuld des Sorti- 
menters zuschreiben, wenn er durch Unterschlagung von V-er- 
langzetteln geschädigt wird^. Wenn Cosack^) bemerkt, der 
Verleger müsse in allen Fällen den Schaden tragen, „die für 
-den Missbrauch von Chekformularen geltende Entscheidung sei 
hier nicht möglich, weil es an einem auf diese Formulare be- 
züglichen, dem Chekvertrage entsprechenden Vorvertrage zwischen 
Verleger und Sortimenter fehle", so scheint er doch vor allen 
Dingen die besonderen Eigentümlichkeiten des buchhändlerischen 
Verkehrs nicht zu berücksichtigen, welcher bei seinen leichten 
freien Geschäftsformen und wegen derselben, einen hervor- 
stechenden Mangel an äusseren Sicherungsmassregeln^) auf- 
weist. Der Verleger ist zwar durch keinen Vertrag verbunden, 
alle oder gewisse Verlangzettel anzunehmen und deren Auf- 
träge auszuführen — wie dies bei dem Chekvertrage der 
Bankier zur Einlösung der Chekformulare ist*) — , aber er 
müsste direkt aufhören, Verleger zu sein, wenn er dies nicht 
thäte, da die bei weitem meisten Geschäfte, die gemacht werden, 
Zettelgeschäfte sind, kurz er ist an die Anerkennung der Ver- 
langzettel thatsächlich ebenso gebunden, wie rechtlich der 
Bankier an die Einlösung seiner Chekformulare. Es wäre 
somit unbillig und der t^atur des ganzen Geschäftsverkehrs 
zwischen Sortimenter und Verleger, der hauptsächlich auf dem 
gegenseitigen Vertrauen und der Gemeinschaft der beiderseitigen 



') Bahl S. 149. 

') Cosack, Lehrbuch des Handelsrechts S. 281. 

') Scharmann, Entwickelung S. 307. 

*) Cosack, Lehrbuch des Handelsreclits S. 238 u. 239. 



— 15 — 

Interessen basiert, durchaus widersprechend, wollte man hier 
einseitig dem Verleger den Schaden aufbürden. Ausserdem 
erscheint es angemessen, dass gerade derjenige, welcher sich 
dieser Formbequemlichkeit der Verlangzettel bedient, auch für 
den hieraus resultirenden Schaden einzustehen hat. 

Die Acceptation der Offerte des Sortimenters durch den 
Verleger erfolgt stets stillschweigend durch Ausfahrung des 
Auftrages*) und zwar gilt der Vertrag als perfekt mit Über- 
gabe oder Absendung des Buches an den Sortimenter oder 
dessen Kommissionär in Leipzig. Die Ausführung des Auf- 
trages muss demselben genau entsprechen. Sie muss ins- 
besondere rechtzeitig geschehen^). Bei Nowasendungen ist dazu 
nötig, dass dieselben allen Konkurrenten desselben Orts gleich- 
zeitig zugehen. Sind der Annahmeerklärung des Auftrags ab- 
weichende Bedingungen beigefügt, so gilt diese nicht als Ac- 
ceptation, sondern als Ablehnung, verbunden mit einer Gegen- 
offerte^j. 

Vom Sortimenter wird die Offerte des Verlegers acceptiert 
entweder durch ausdrückliche Erklärung oder durch konklu- 
dente Handlungen*;, z. B. das Invertriebnehmen der Ware. Ob 
Stillschweigen als Zustimmung gilt, ist nach dem einzelnen 
Falle zu entscheiden. Im Allgemeinen kann aus dem blossen 
Schweigen nicht die Annahme gefolgert werden*), da keine 
Verpflichtung besteht, sich über die Annahme zu erklären^). 
Steht aber der Offerent mit dem Oblaten in Geschäftsverbin- 
dung und hat er früher solche Novasendungen angenommen, 
so verlangt die allgemeine und buchhändlerische Praxis für 
den Fall der Ablehnung sofortigen Protest gegen die Sen- 
dung, widrigenfalls Zustimmung angenommen wird^). 

Zur vertragsmässigen Erfüllung eines Auftrags durch den 
Verleger gehört nicht allein, dass dieselbe der Offerte genau 



•) Bahl S. 149. 

') Schürmann, Usancen S. 40. 

») H. G. B. Art. 322. 

*) Buhl S. 151. 

*) V. SaTigny: System des römischen Rechts, Band III § 132. S. 248. 

*) Endemann, Das deutsche Handelsrecht S. 442 § 94. 

^) Sohurmann Usancen S. 105. 



— 16 — 

entspreche; es giebt für die Annehmbarkeit der Ware auch 
Voraussetzungen allgemeiner Natur, welche fdr alle Lieferungen 
gelten und daher in der Offerte als selbstverständlich nicht 
ausdrücklich erwähnt sind. Diese Voraussetzungen betreffen 
die Beschaffenheit der Ware. Zunächst ist ein prinzipales Er- 
fordernis, dass die gelieferten Exemplare ungebraucht sind. 
Hierbei ist nicht die äussere Makellosigkeit massgebend, son- 
dern die blosse Thatsache des Ingebrauchnehmens, um das Buch zu 
nutzen. Während es also erlaubt ist, um sich über den Wert 
eines Buches und die Art seines Inhalts oberflächlich zu orien- 
tieren, bei gehefteten Büchern die ersten paar Blätter auf- 
zuschneiden, gilt es als unstatthaft, das ganze Buch oder einen 
grösseren Abschnitt aufzuschneiden. Dass schadhafte Liefe- 
rungen, die sich zum Vertriebe nicht eignen, nicht erlaubt sind, 
ist selbstverständlich^). Der Sortimenter ist berechtigt, dem 
Verleger, der ihm solche schadhaften oder gebrauchten Exem- 
plare liefert, dieselben mit Spesennachnahme zurückzusenden. 
Dasselbe gilt von defekten Exemplaren, falls der Verleger 
nicht imstande oder nicht willens ist, das zur Vervollständi- 
gung Fehlende nachzuliefern, was portofrei zu geschehen hat^). 
Schiesslich ist noch zu bemerken, dass der Verleger stets 
Bücher der bei der Bestellung vorhandenen neuesten Auflage 
zu liefern hat. Ist eine weitere Auflage in Vorbereitung, so 
kann Lieferung in derselben nur dann beansprucht werden, 
wenn sie vorher angekündigt war und daher anzunehmen ist, 
dass der Sortimenter speziell durch die Ankündigung zu der 
Bestellung veranlasst wurde^). 

§. 6. 
Abrechnung. 

Für alle aus den auf Rechnung geschlossenen Geschäften 
zwischen Verleger und Sortimenter kontrahierten Verpflichtun- 



*) Schurmann, Grundordnung S. 238. 

Schürmann, Usancen S. 65. 

Weidling, a. a. 0. S. 93. 
^) Schurmann, Usancen S. 61. 61. 
') Schurmann, Usancen S. 63. 



— 17 — 

gen, welche nicht durch sofortige Erfüllung aufgehoben werden, 
ist die usancemässige Erfullungszeit der Abrechnungstermin der 
Leipziger Ostermesse, welche sich für den Buchhandel vom 
Montag nach dem Gantate-Sonntage (4. Sonntag nach Ostern) 
bis zum Mittwoch vor Himmelfahrt erstreckt*). Hier kommen 
der Regel nach die Ansprüche des Verlegers an den Sorti- 
menter zur Verrechnung, welche in dem der Messe voran- 
gehenden Kalenderjahre vom 1. Januar bis 31. Dezember durch 
Warensendungen an den Sortimenter entstanden sind. Diese 
Geschäfte, als deren Abschlusszeit nach dem Termin der Ver- 
sendung die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember gilt, sind 
bis zum 31, Dezember desselben Jahres Geschäfte der laufenden 
Rechnung, werden mit dem 1. Januar des folgenden Jahres 
Geschäfte alter Rechnung und Geschäfte, die zwischen den 
1. Januar und die Ostermesse desselben Jahres fallen, zählen 
bis zu dieser Ostermesse zur neuen Rechnung, die von der 
Ostermesse an wieder laufende genannt wird^). Von dieser 
allgemeinen Klassifizierung der Geschäfte giebt es im einzelnen 
Ausnahmen. So werden häutig Sendungen aus den letzten 
Monaten des Jahres in neuer Rechnung geliefert, wodurch für 
diese Geschäfte der Termin der Abrechnung um ein Jahr hin- 
ausgerückt wird^). In der Regel geschieht dies bei den vom 
Leipziger Kommissionsplatze weit entfernt liegenden Firmen, 
wie denen Russlands und Amerikas, wegen der grösseren 
Transportkosten. Es kommt auch vor, dass Verleger Sendungen, 
die im Anfang eines Jahres gemacht sind, als im Vorjahre 
geschehen auf alte Rechnung schreiben, um für sie die Ab- 
rechnung desselben Jahres zur geltenden zu machen. Diese 
Rechnungsweise ist jedoch unzulässig und der Sortimenter ist 
infolgedessen nicht an sie gebunden*). Auf dem durch die 
Ostermesse fixierten Abrechnungstermine muss nun die ganze 



I) Buhl S. 158. 

') Schürmann, Usancen S. 69. 

>) Bühl S. 157. 

Schürmann, Usancen S. 68. 
*) Buhl S. 107. 108. 

Schärmann, Usancen S. 68. 



— 18 — 

Jahresrechnung, wie sie sich nach den eben angeführten Modi- 
fikationen gestaltet, ausgeglichen werden. Um dies zur rechten 
Zeit zu ermöglichen, muss bereits vor Beginn der Abrechnung 
festgestellt sein, welche Posten zur Zahlung kommen. Was 
gezahlt werden muss, kann besonders zweifelhaft sein bei den 
Remissionsartikeln, welche daher, soweit bei ihnen das Rück- 
sendungsrecht geltend gemacht werden soll, vor dem Abrechnungs- 
termine dem Verleger zurückgeliefert werden müssen*). Eine 
Ausnahme hiervon findet sich in den bisweilen gestatteten so- 
genannten Nach- und Restremittenden, bei denen sich der 
Sortimenter das Recht vorbehält, die betreffenden Artikel binnen 
einet kürzeren näher bestiinmten'-^) Zeit, meist Pfingsten, zurück- 
zusenden. Der Unterschied zwischen beiden besteht darin, 
dass die Nachremittenden erst bei der efl^ektiveu Rücksendung 
als zurückerhalten berechnet werden, während bei den Rest- 
remittenden die Entlastung sofort eintritt, obwohl die Rück- 
sendung noch nicht erfolgt, vielmehr Nachlieferung vorbehalten 
wird. Der Verleger braucht jedoch dergleichen Vorbehalte 
späterer Rücksendung nicht zu genehmigen, gestattet er sie 
aber, so gilt usancemässig Pfingsten als der letzte Rücklieferungs- 
termin^). Durch besondere Vereinbarung mit dem Verleger wird 
es dem Sortimenter oft gestattet, diejenigen Bücher, deren 
Verkauf sich nicht in der bestimmten Frist hat realisieren 
lassen, über diese Zeit hinaus, meist um ein Jahr länger, bis 
zur nächstfolgenden Ostermesse unter denselben Bedingungen 
als Konditionsgut weiter zu behalten. Dies geschieht in der 
Weise, dass der Sortimenter vor der Abrechnung dem Verleger 
eine Liste derjenigen Artikel einreicht, für welche er das 
Eonditionsverhältnis verlängert wissen möchte, und die in dieser 
Liste aufgeführten Bücher demselben zur Disposition stellt. 
Werden diese zur Disposition gestellten Waren, Disponenden 
genannt, nicht ausdrücklich vom Verleger zurückverlangt, so 



') Schür mann, Usancen S. 73. 

Buhl S. 158. 
«) Wächter S. 540. 
») Buhl S. 159. 



- 19 — 

gilt usancemassig sein Stillschweigen als Genehmigung*). Dis- 
ponenden werden mit Recht dann vorzugsweise beansprucht 
werden, wenn die Waren erst gegen Ende des der Ostermesse 
vorangehenden Jahres geliefert waren, also verhältnissmässig 
nur kurze Zeit zum Vertriebe geboten war und daher zu er- 
warten ist, dass sich im folgenden Jahre noch Käufer finden 
werden. In diesen Fällen ist es für den Verleger Sache der 
Billigkeit, Disponenden zu gestatten und es wird bei der nun- 
mehr länger vorhandenen Erleichterung des Verkaufs der be- 
treffenden Waren auch meist sein eigener Vorteil sein. Er ist 
aber nicht dazu verpflichtet, Disponenden zu gestatten, und 
kann sie infolgedessen nicht nur versagen, — in welchem Falle 
die betreffenden zur Disposition gestellten Artikel dem Verleger 
noch vor der in der Osterraesse stattfindenden Abrechnung 
zuruckgeliefert werden müssen — sondern auch jederzeit die 
concedierten Disponenden zurückverlangen^), was besonders 
dann geschieht, wenn es dem Verleger wegen neu zu ver- 
anstaltender Auflagen, Verkauf des Geschäfts oder anderer 
Verhältnisse wünschenswert erscheinen muss, alles nicht Ab- 
gesetzte zurückzuerhalten'). Eine usancemassig fixierte Frist, 
binnen welcher der Sortimenter ausserhalb der gewöhnlichen 
Zeit zurückverlangte Disponenden dem Verleger zuzustellen 
hat, giebt es nicht. Der Berliner und Leipziger Verlegerverein 
bewilligen Disponenden nur unter der Bedingung*), dass der 
Sortimenter dieselben auf direktes oder im Buchhändler- 
börsenblatt bekannt gegebenes Ersuchen um Rücksendung, 
binnen zwei Monaten zurückliefere, widrigenfalls er sein Re- 
missionsrecht verliert und auf der nächsten Ostermesse Zahlung 
leisten muss. 



') Schürroaiin, Usancen S. 80. 

') Wetdling, a. a. O. S. 101, abweichend Meyer S. 48. 
*) Meyer S. 48. 

*) Koch in Holtzendoiffs Rcchtslexikon, III. Band, I. HUlfte unter Sorti- 
mentsbuchhandel S. 711. 
Wächter S. 540. 

2* 



- 20 — 

§7. 

Juristische Natur des Geschäftsyerhältnisses zwischen Sorti- 
menter und Yerleger. 

Grundidee des Konditionsgeschäfts. 

Nachdem wir im Vorhergehenden eine Darstellung der 
äusseren Formen des Geschäftsverkehrs zwischen Sortimenter 
und Verleger gegeben haben, können wir nunmehr die Fest- 
stellung der juristischen Natur des zwischen beiden bestehenden 
Rechtsverhältnisses versuchen, indem wir dabei immer vom 
Kouditionsgeschäft, als dem Geschäft ausgehen, welches die 
Grundlage des ganzen Geschäftsbetriebes bildet und vorzüglich 
dem Sortimentsbuchhandel sein eigentumlich charakteristisches 
Gepräge verliehen hat. 

Durch die Konditionssendungen wird dem Verleger der 
ausserordentliche Vorteil geboten, die von ihm auf den Markt 
gebrachten Waren in einer unbeschränkten Zahl von Sorti- 
mentsbuchhandlungen zum Verkauf kommen zu sehen, ohne dass 
er auch nur einigermassen dementsprechende Unkosten zwecks 
Vertriebs der Ware zu tragen hätte. Der Sortimenter erlangt 
wiederum durch solche Geschäfte die Möglichkeit, mit verhält- 
nissmässig ganz geringem Anlagekapital aus einer fremden 
Ware Gewinn zu ziehen. Sowohl dem Verleger, als auch dem 
Sortimenter erwächst infolge jedes durch letzteren vermittelten 
Verkaufs eines Konditionsguts ein Verdienst, beide haben also 
ein Interesse an dem Verkauf. Realisiert sich letzterer dagegen 
nicht, so werden noch dazu beide von Verlusten betroffen; der 
Sortimenter hat seine Fracht- und Vertriebskosten und seine 
Mühewaltung vergeblich aufgewandt und der Verleger hat ebenso 
seine Frachtspesen verloren, ausserdem aber von dem in der 
Ware verkörperten Anlagekapital keine Zinsen gezogen und 
auf beiden Seiten sind Kommissionsspesen erfolglos bezahlt 
worden. Diese Interessengemeinschaft vom Verleger und Sor- 
timenter beim Konditionsgeschäft, welches sich in dem geteilten 
Risiko und dem beiderseitigen Vorteil des Geschäfts ^ zeigt, ist 



>) W^eidling a. a. O. S. 67. 



— 21 — 

die Basis des ganzen Konditionsgeschäfts. Von diesem Grund- 
gedanken des Konditionsvertrages muss man ausgehen, wenn 
man die einzelnen Verpflichtungen und Rechte, welche dem 
Sortimenter und Verleger aus dem Vertrage zustehen, richtig 
erkennen will. Aus dem Vorhergehenden erkennen wir, dass 
der Konditionsvertrag ein gegenseitig verpflichtender Vertrag 
ist. Welcher Kategorie von Kontrakten er angehört, können 
wir indes erst entscheiden, nachdem wir die einzelnen dem 
Sortimenter aus dem Vertragsschlusse usancemässig auferlegten 
Pflichten und zugebilligten Rechte festgestellt haben. 

§ 8. 

Die Kreditpflicht des Verlegers. 

Wenden wir uns zunächst der sogenannten Kreditpflicht zu. 
Da ist nun verschiedentlich eine ganz wunderliche Ansicht 
geäussert worden, die allerdings jetzt allseitig aufgegeben ist. 
Schellwitz') sagt nämlich: „Nach der in Teutschland seit länger 
als einem Jahrhundert hergebrachten Geschäftsweise liegt dem 
Verleger ob, ein neuerschienenes Werk an alle Sortimentshändler 
in Teutschland zu versenden .... oder wenigstens Verzeich- 
nisse der Neuigkeiten (Novitätenzettel)." Diese Meinung, die 
ganz allgemein dem Verleger die Pflicht auferlegt, allen Sor- 
timentshändlern Novitäten zuzusenden, teilt auch Gengier 2) und 
Häpe nimmt diese Verpflichtung gegenüber solchen Sortinientern 
an, mit denen der Verleger nicht aus besonderen Gründen die 
Geschäftsverbindung abgebrochen hat^). Eine derartige Ver- 
bindlichkeit des Verlegers, durch solche Novitätensendungen 
jedem beliebigen Sortimenter seinen Kredit zu eröffnen, ist ganz 
undenkbar. Der Verleger hat selbstredend wie jeder andere 
Kaufmann vollständige Freiheit zu liefern, wem und wieviel er 
will. Denn wenn der Verleger jedem Sortimenter Kredit geben 
würde, so müsste er regelmässig, sobald ein Sortimenter die 



') In Weiskes Rechtslexikon, II. Band (1840) unter Bnclihandel S. 108. 

') Gengier, Lehrbuch des praktischen deutschen Privatrechts. 1852. Band I 
S. 468 f. 

') Häpe, Allgemeine Presszeitung 1844 No. 57. Auf wessen Gefahr 
lagern Disponenden und andere ä condition Sendungen? S. 225 



— 22 — 

Zahlungen einstellte und die gelieferten Bucher schon verkauft 
wären, einen Verlust davontragen, was dann bei der oft länger 
als ein Jahr dauernden Kreditierung des Kaufpreises ziemlich 
oft vorkommen durfte und dem Sortimenter würde es jedenfalls 
ebenso unangenehm sein, wenn er für alle möglichen unbedeu- 
tenden Novitäten, für die er nachher nicht Käufer findet, Trans- 
port- und Vertriebsspesen zahlen müsste, da der Pflicht des 
Verlegers, jedem Sortimenter seineNovitäten zuzusenden, natürlich 
die Gegenpflicht des letzteren entsprechen würde, die so gesand- 
ten Neuigkeiten als Konditionsware anzunehmen. Das Rechts- 
verhältnis zwischen Verleger und Sortimenter besteht nicht durch 
ein Rechtsgeschäft beider ins Leben gerufen, dauernd fort mit 
präjudizierender Wirkung für die nächsten, sondern es entsteht 
vielmehr durch jede einzelne Sendung von neuem. Der Kredit 
ist entsprechend dem im deutschen Buchhandelsverkehr doku- 
mentierten besonderen Vertrauen ein rein persönlicher, der sich 
nicht einmal auf die Firma erstreckt, sondern am einzelnen 
Inhaber haftet*); deshalb ist die Bekanntmachung des Inhaber- 
wechsels einer Firma im Sortimentsbuchhandel von besonderer 
Wichtigkeit. Wird der durch Artikel 25 des Handelsgesetzbuchs 
gebotenen Anzeigepflicht nicht genügt, so tritt eine teilweise 
ausserkontraktliche Haftung ein und zwar in folgender Weise^): 
Wo der Firmenwechsel nicht bekannt gemacht ist, haftet der 
Verkäufer des Geschäfts dem Verleger nicht nur für die vor 
Verkauf des Geschäfts auf Rechnung, sondern auch nachher 
bezogenen Artikel, und selbst wenn der Verkäufer vorher mit 
dem Verleger abgerechnet hat, haftet er für die von seinem 
Nachfolger, bis zur Kenntnis des Verlegers vom Inhaberwechsel, 
auf Rechnung erhaltenen Artikel, weil letzterer dem neuen In- 
haber auf den Namen des alten hin Kredit eröffnet hat. Schür- 
mann lässt, falls der Firmenwechsel nicht bekannt gemacht ist, 
auch den Käufer des Geschäfts (solidarisch mit dem Verkäufer) 
für die vor Verkauf des Geschäfts auf Rechnung erhaltenen 
Artikel haften, ja sogar dann, wenn das Geschäft unter Aus- 



*) Schurmann, Usancen S. 142. 
') Schürmanu, Usancen S. 143. 



— 23 — 

schluss der Passiven verkauft ist, da „das Zweifelhafte eines 
solchen Verfahrens (Verkauf des Geschäfts in seinen Aktiven 
unter Ausschluss der Passiven) es zur unabweisbaren Forderung 
für die Sicherheit des Verkehrs mache, dass der Käufer dabei 
mithaftet. ** Diese von Schärmann vertretene Art der Haftung 
lässt sich jedoch nicht als durch Usance feststehend erweisen 
und muss daher in diesem Punkte für den Käufer eines Sorti- 
mentsgeschäfts nur dieselbe Haftung eintreten, wie für den 
Käufer jedes anderen Geschäfts im Sinne des Artikels 25 des 
Handelsgesetzbuchs, wonach sich die Geschäftsgläubiger nicht 
ohne Weiteres an den Käufer des Geschäfts halten können, 
selbst wenn die Absicht der Parteien feststeht, dass die Geschäfts- 
schulden auf den neuen Erwerber übergehen sollten*), wo es 
vielmehr besonderer Bekanntmachung der Übernahme der Pas- 
siven bedarf, um den Geschäftskäufer haftbar zu machen. 

Wird die Übertragung des Geschäfts an einen anderen 
bekannt gemacht, so kann der Verleger sofortige Abrechnung 
und Zahlung respektive Remittieren der in Rechnung gelieferten 
Ware verlangen; thut er dies nicht, so haftet ihm der Ver- 
käufer des Geschäfts nur für die Ware, die er selbst auf 
Rechnung erhalten hat^). 

§ 9. 
Die Yertriebspfllclit des Sortimenters. 

Eine zweite Frage, welche das zwischen Sortimenter und 
Verleger über die Konditionssendungen bestehende Rechtsver- 
hältnis betrifft, ist die, ob der Sortimenter aus dem Konditions- 
vertrage verpflichtet ist, sich um den Verkauf der ä condition 
gelieferten Artikel zu bemühen und wieweit diese Verpflichtung 
sich eventuell erstreckt. Schürmann ^) und Weidling*) bestreiten 
im Gegensatze zu denen, welche das Konditionsgeschäft als 
Kommissionsgeschäft oder Mandat^) auflassen und aus diesem 



1) Cosack a. a. O. S. 43 f. 

*) Schürmann, Usancen S. 144 f. 

') Schfirmann, Usancen S. 17 ff. 

*) Wcidling a. a. O. S. 77 ff. 

*) Häpe, Allgemeine Presszeitung 188 4, No. 58. S. 230. 



— 24 — 

Grunde dem Sortimehter die Vertriebspflicht auferlegen, absolut 
jeden derartigen auf den Sortimenter auszuübenden Zwang, indem 
sie darauf hinweisen, dass letzterer der verwendeten Kosten 
und des zu erhoffenden Gewinnes wegen ja selbst ein Interesse 
am Verkaufe habe und darüber hinaus durch den Vertrag nicht 
gebunden werden könne. Wenn ein Kommissions- oder Man- 
datverhältnis hier als vorliegend angenommen werden müsste, 
so dürfte die Entscheidung zu Ungunsten des Sortimenters un- 
zweifelhaft sein. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, kann 
man den Sortimenter nicht unbedingt davon freisprechen, dass 
er den Absatz der Konditionslieferungen zu betreiben hat. Der 
Zweck des ganzen Geschäfts besteht für den Verleger gerade 
darin, dass durch das Ausbieten der Werke zum Verkauf ihm 
Gelegenheit geboten wird, dieselben abzusetzen*). Nur aus 
diesem Vorteil erklären sich die ausserordentlichen Vorzugsbe- 
. dingungen für den Sortimenter beim Überlassen der Ware als 
Konditionsgut. 

Fällt nun diese Möglichkeit des Verkaufs für den Verleger 
fort, so bleibt der wesentliche Zweck des Geschäfts für ihn un- 
erfüllt und er wird sich, wenn er vorher eine solche Verwen- 
dung der Ware erwartet, nie auf solche Geschäfte einlassen. 
Es liegt also im Konditionsvertrage die Vertriebspflicht des 
Sortimenters begründet, wenn wir es so nennen dürfen, als 
Recht des Verlegers auf Möglichkeit des Verkaufs der Ware, 
welchem auf Seite des Sortimenters analog ein Recht auf Mög- 
lichkeit des Verkaufs gegenübersteht, das sich darin äussert, 
dass er die Ware bis zu dem usancemässigen Abrechnungs- 
termin behalten darf, vor welchem vom Verleger eine Rück- 
sendung nicht gefordert werden kann. 

Die Frage, wieweit sich nun diese Vertriebspflicht erstreckt, 
ist dahin zu beantworten, dass hierfür der gewöhnliche ord- 
nungsmässige Geschäftsbetrieb entscheidend ist. Dieser gewöhn- 
liche ordnungsmassige Geschäftsbetrieb ist natürlich ein äusserst 
freier, in keine Fesseln eingeengter, der sich ganz nach dem 
persönlichen Gutachten des Sortimenters richtet, und hier wird 



') Endemann, Handbuch S. 740. 



— 25 - 



dann allerdings thatsächlich das Interesse, welches der Sorti- 
menter an dem Verkauf hat, meistens für seine Thätigkeit mass- 
gebend sein. Es muss ihm infolgedessen also wohl zunächst 
überlassen bleiben, seinen eigenen Vorteil vor dem des Verle- 
gers wahrzunehmen, so dass es ihm freisteht, seine fest bezogenen 
Werke vor den ä condition gelieferten zu verkaufen. 

Es können ihm selbstverständlich auch über die Art des 
Vertriebes keine Vorschriften gemacht werden, so dass er die 
erschienenen und bei ihm zum Verkauf kommenden Werke in 
öffentlichen Ankündigungen seinen Kunden empfiehlt oder nicht, 
ganz nach seinem Ermessen. Mag nun aber auch das Recht des 
Verlegers auf Feilhalten seiner dem Sortimenter gelieferten 
Waren durch die Usance, welche bestrebt ist, dem Sortimenter 
so wenig wie möglich Einschränkungen in seinem Geschäfts- 
betrieb aufzuerlegen, ihm vielmehr vollste Freiheit in der Art 
des Vertriebs zu lassen, auf ein noch so geringes Mass reduziert 
sein, so lässt sich dies Recht doch nicht vollständig negieren. 
Lässt nun z. B. der Sortimenter die Waren unausgepackt 
dastehn und bietet sie auch nicht durch Ankündigungen zum 
Verkauf aus, so verstösst er hiermit, indem er durch sein ner 
gatives Verhalten die Möglichkeit des Verkaufs illusorisch macht, 
gegen seine Kontraktspflicht und der Verleger kann sofortige 
Rücksendung der Ware oder Zahlung verlangen^. Gegen 
den Sortimenter auf Erfüllung seiner Kontraktsverpflichtung zu 
klagen, hätte für den Verleger gar keinen Zweck, da die Zeit, 
in welcher die Bücher nutzlos auf dem Lager des Sortimenters 
gelegen haben, durch fernere Vertriebsthätigkeit desselben nicht 
ersetzt werden kann, denn das in den Büchern verkörperte 
Kapital hat keine Zinsen getragen, wenn infolge der Schuld 
des Sortimenters in der nunmehr von der Verurteilung bis zum 
Remissionstermin nur noch kurzen übrigbleibenden Zeit der 
Verkauf nicht gelingt. Es wird daher dem Verleger, um ihn 
vor Verletzungen der Kontraktspflicht des Sortimenters zu 



*) Endematin, Hnndbuch S. 740. 

GoldechiDidt, Zeitschrift für Handelsrecht, Band XXXIIl. S. 492. 
Buhl S. 174. 



26 



schützen, gestattet, vom Vertrage zurückzutreten. Das gleiche 
Recht vom Sortimenter sofortige Rücksendung oder Zahlung 
zu verlangen, hat der Verleger, wenn der Sortimenter aus 
persönlichen Gründen, z. B. weil die religiöse oder politische 
Tendenz eines Werkes seinen diesbezüglichen Anschauungen 
nicht entspricht, den Absatz der Waren nicht betreibt und 
direkte Bestellungen der betreffenden Werke nicht ausführt* 
Denn der Sortimenter kann wohl, wenn er es aus persönlichen 
Gründen für nicht anständig hält, an gewissen Artikeln durch 
Beihülfe zu ihrem Verkaufe selbst etwas zu verdienen, für sich 
auf sein Recht, auf die Möglichkeit des Verkaufs und somit V^er- 
dienstes verzichten, aber nicht für den Verleger auf dessen Recht. 

§ 10. 
Das Eigentum an der Konditionsware in der Schwebezeit. 

Das ausserordentlich freie Verfügungsrecht des Sortimenters 
über seine Konditionswaren legt die Frage nahe und lässt sie 
nicht überflüssig erscheinen, in wessen Eigentum sich die dem 
Sortimenter ä condition übergebenen/ Artikel befinden? — Es 
besteht jetzt eine allgemein anerkannte Usance, welche dem 
Verleger im Konkurse des Sortimenters das Vindikationsrecht 
aller ä condition gelieferten Waren, die noch nicht verkauft 
sind, giebtO- Der Verleger bleibt also bei der Übergabe der 
Konditionsware zunächst Eigentümer und er verliert das Eigentum 
erst entweder durch Verkauf des Buches an einen Dritten oder 
durch die stillschweigende oder ausdrückliche Willenserklärung 
des Sortimenters, das Buch selber zu behalten 2). In beiden 
Fällen ist das Eigentum gemeinrechtlich auf Grund eines Kaufes 
durch vorherige Tradition und folgende Kreditierung des Kauf- 
preises, das erste Mal über den Sortimenter auf den Käufer, 
das zweite Mal auf den Sortimenter als Käufer übergegangen. 
Für das Remittieren der vom Sortimenter nicht verwendeten 
sowie für das Bezahlen der fest behaltenen Artikel hat die 



•) Wächter S. 504. 

Buhl S. 174. 
') Buhl S. 175. 



— 27 — 

Usance, wie (Seite 17 und 18) gezeigt ist, zwei verschiedene 
Zeitpunkte bestimmt, nämlich das Remittieren muss bis zum 
Anfang der Abrechnung erfolgt sefn und die Zahlung geschieht 
am Schluss der Abrechnung. Es wird also durch Eingehen 
des Konditionsvertrages von vornherein für die Artikel, welche 
der Sortimenter behalten wird, der Kaufpreis bis zum usance- 
mässigen Zahlungstag kreditiert*). 

§ 11. 
Die Pflicht des Sortimenters^ den Ladenpreis einzulialteu. 

Ähnlich wie bei der Vertriebspflicht des Sortimenters in 
Hinsicht auf den Verkauf der Waren eine Kollision der Interessen 
des Sortimenters und Verlegers eintreten kann, so verhält es 
sich auch bei der vielfach behaupteten und sehr bestrittenen 
Verpflichtung des Sortimenters, den vom Verleger bestimmten 
Ladenpreis einzuhalten. Der Ladenpreis wird vom Verleger 
bei Ankündigungen neuer Bücher und meistens auch bei Aus- 
fuhrung von Bestellungen auf der Frankatur neben dem Nettopreise 
angeführt. Aus diesen Formalicn hat man die Verbindlichkeit 
des Sortimenters hergeleitet, beim Verkauf am Ladenpreise 
festzuhalten^). Die Richtigkeit dieser Begründung lässt sich 
indes nicht erweisen. Vielmehr scheint die Anfuhrung des 
Ladenpreises einen andern Zweck zu haben. Der Ladenpreis 
bleibt immer derselbe, während der Nettopreis je nach der 
Art der zwischen Sortimenter und Verleger abgeschlossenen 
Geschäfte wechselt. Der Nettopreis ist also bei Ankündigungen 
im allgemeinen nicht gut anwendbar, da er meist erst Gegen- 
stand besonderer Abmachung zwischen Verleger und Sortimenter 
ist. Bei Ankündigungen nur des Nettopreises neuer Bücher 
wäre der Sortimenter also stets im Unklaren, wofür nun eigentlich 
der genannte Preis gilt, für fest-, Barkäufe oder a condition- 
Sendungen. Ist der Ladenpreis dagegen genannt, so kann der 



') Abweichend Weidling, der S. 134 und 140 das Eigentum erst durch 
Zahlung auf den Sortimenter übergehen lässt, sich aber S. HO und 140 in- 
nofern widerspricht, als er dem Verleger das Vindikationsrecht nur bei vor der 
Abrechnung ^vor der Zahlung müsste es nach seiner oben angeführten Meinung 
heissen) ausgebrochenen Konkurse des Sortimenters zuspricht. 

') Schürmann, Usancen S. 26. 



— 28 — 

Sortimenter gewöhnlich sofort wenigstens ungefähr auf die ver- 
verschiedenen Nettoprefee einen Schluss ziehen. Dass der 
Ladenpreis aber bei EflFektuierung der Bestellungen neben dem 
Nettopreise vermerkt wird, ist für den Sortimenter besonders 
bei Novitäten sehr wesentlich, weil er hieraus die Höhe des 
Rabatts ersieht. Denn da er bekanfttlich bei Novitäten, bei 
denen ihm nicht mindestens 25 ^/q Rabatt vom Ladenpreise 
gewährt werden, die Transportspesen nicht zu tragen braucht 
und infolgedessen auch nicht verpflichtet ist, überhaupt solche 
Sendungen anzunehmen, . so muss ihm doch mitgeteilt werden, 
ob die Grundbedingung seiner Annahmepflicht vorliegt oder 
nicht. Er hat also geradezu ein Recht auf Mitteilung des 
Ladenpreises*). Man kann die übliche Anführung des Laden- 
preises aus den entwickelten Gründen als rein praktische Ge- 
schäftsmassregel auffassen. 

Es fragt sich nun, da die Nennung des Ladenpreises eine 
Verpflichtung für den Sortimenter nicht begründet, ob vielleicht 
die blosse Feststellung des Preises den Sortimenter aus dem 
Vertragsschluss rechtlich binden kann. Hierbei sind die beiden 
Möglichkeiten zu unterscheiden, dass der Sortimenter mit dem 
Verkaufspreise entweder unter den Ladenpreis heruntergeht 
oder diesen übersteigt. Durch den Kauf „gegen bar" und „in 
fester Rechnung'* hat der Käufer, der mit dem Kauf Eigen- 
tümer der Ware wird, da ja, wie wir gesehen, die Anführung 
des Ladenpreises bei Ankündigungen eine Verbindlichkeit nicht 
erzeugt, unzweifelhaft das Recht, den Verkaufspreis selbst zu 
bestimmen, es müsste denn beim Vertragsabschluss eine be- 
sondere Abrede erfolgt sein, als welche auch* die deutlich als 
leges contractus zur Kenntnis des Sortimenters gebrachten und 
von diesem angenommenen Bestimmungen der Verleger bei 
Verkaufsofferten gelten müssen. 

Besteht nun vielleicht für das Konditionsgeschäft aus 
dem Vertrage ein Recht des Verlegers auf Innehaltung des 
Ladenpreises durch den Sortimenter? Wie wir bei der Be- 
handlung der Vertriebspflicht des Sortimenters gezeigt haben, 

') Weidliug, a. a. O. S. 74. 



— 29 — 

hat derselbe vollständige Freiheit in der Art und Weise, 
wie er den Absatz betreibt, wenn er ihn nur nicht un- 
möglich macht, oder dolos erschwert, und dass dem Ver- 
leger fiir den Fall eines Verstosses des Sortimenters gegen 
diese Kontraktspflicht nur ein Recht auf sofortige Rücksendung 
der Waren beziehungsweise Zahlung des Nettopreises zusteht. 
Dieses Recht des Verlegers verletzt der Sortimenter nun keines- 
falls dadurch, dass er die Waren unter dem Ladenpreise ver- 
kauft. Denn der Verleger erhält den ausbedungenen Netto- 
preis und es ist anzunehmen, dass bei dem niedrigeren Laden- 
preise noch dazu mehr Exemplare verkauft werden, als 
bei dem hohen Preise verkauft wurden. Über diesen Punkt 
sind auch die meisten Schriftsteller einig und es wird daher 
die behandelte Frage über den Ladenpreis vielfach auch 
so formuliert: „Darf der Sortimenter beim Verkauf der 
Konditionswaren über den Ladenpreis derselben hinausgehen 
oder nicht?" ^^^ Verteuerung des Verkaufspreises wirkt 
natürlich auf die Verkäuflichkeit der Ware nachteilig ein. Dass 
der Sortimenter einen so hohen Preis ansetzt, dass sich die 
Bücher überhaupt nicht oder wenigstens unter gewöhnlichen 
Verhältnissen nicht absetzen lassen, muss als ausgeschlossen 
betrachtet werden, da er hiermit seinem eigenen Interesse 
entgegenarbeiten würde. Wäre dies aber der Fall, um chica- 
nöser Weise ein Werk unverkäuflich zu machen^), so kann 
vom Verleger sofortige Rücksendung verlangt werden. Es ist 
nun zweifelhaft, ob der Sortimenter nicht wenigstens berechtigt 
ist, seinen Vorteil vor dem des Verlegers wahrzunehmen, indem 
er zwar weniger Ware verkauft, durch den höheren Preis für 
sich aber doch noch einen grösseren Gewinn erzielt. Diese 
Befugnis ist dem Sortimenter unbedingt zuzusprectien'). Er 



«) Wächter S. 498. 

Häpp, Allgemeine Presszeitung 1844. No. 58. S. 230. 
») Buhl S. 166. 

') Abw, Wächter S. 522, Goldschmidt, Zeitschrift für Handelsrecht, 
Band XXXIII. S. 492. 

Gengier a. a. O. S. 46). 

Cosack a. a. O. S. 283 insofern, als er dem Sortimenter nicht das 
Recht zugestellt, DestcUungen der Kunden zum Ladenpreise abzulehnen. 



~ 30 - 

hat, wie wir gezeigt haben, eine vollständige Aktionsfreiheit 
in der Bewerkstelligung des Absatzes, soweit sie nicht dem 
gewöhnlichen ordnungsmässigen Geschäftsbetriebe widerspricht. 
Der Ladenpreis dient daher dem Sortimenter nur als Anhalt 
für den ungefähren Verkaufspreis und da seine Bekanntmachung 
durch den Verleger jedem, der sonst vom Sortimenter kaufen 
würde, die Möglichkeit giebt, mit Umgehung des letzteren das 
Buch direkt vom Verleger zu beziehen*), so ist in der Erhöhung 
des Ladenpreises erst recht keine Benachteiligung des Verlegers 
zu sehen. 

Wäre nun aber der Sortimenter an den Ladenpreis ge- 
bunden, so dürfte nach den Grundsätzen der Billigkeit eben- 
sowenig dem Verleger erlaubt sein, mit dem (Netto-) Preise 
herunterzugehen. Hiermit wäre für diesen oft ein viel grösserer 
Verlust verbunden, als ihm durch den höheren Ladenpreis zu- 
gefügt werden kann. Denn jeder bei Fesstellung des Anfangs- 
preises eines in Vertrieb kommenden Werkes gemachte Kal- 
kulationsfehler inbezug auf die bei dieseai Preise vorhandene 
Absatzfähigkeit könnte, weil nicht korrigierbar, das ganze 
Unternehmen zu Fall bringen. Dadurch, dass diese Kalkulations- 
fehler sich oft erst durch den Vertrieb herausstellen^), tritt 
diese Unbilligkeit der Unmöglichkeit der Preisänderung um so 
mehr hervor. Es muss also schon aus praktischen Rücksichten 
zu Gunsten der beiderseitigen gemeinschaftlichen Interessen des 
Sortimenters und Verlegers beiden gestattet sein, ihre beider- 
seitigen Verkaufspreise jederzeit selbst zu bestimmen. Schliess- 
lich sei noch bemerkt, dass zwar thatsächlich infolge der 
Konkurrenz der Sortimenter und der Bekanntmachung des 
Ladenpreises durch den Verleger der Verkaufspreis den Laden- 
preis fast nie übersteigt, — letzteres kommt hauptsächlich nur 
im Auslande für die durch den Export teurer gewordenen 
Artikel oder in Badeorten vor, in denen ja meist eine all- 
gemeine verhältnissmässige Preissteigerung statthat — , dass 
aber eine Usance, welche den Sortimenter an den Ladenpreis 
bindet, nicht besteht. 

>) Buhl S. 166. 

^) Scbürmann, Usancen S. 28. 



~ 31 — 

§. 12. 
Die Haftpflicht. 

Wir kommen nun zu der schwierigsten und bestrittensten 
Frage, nach der Haftpflicht für die ä condition gelieferten 
Waren in der Schwebezeit. 

Dass der Sortimenter wegen seines fast unbeschränkten 
Verfügungsrechts über diese Waren und des Interesses, welches 
er an der Überlassung derselben ä condition hat, nicht nur 
für dolus, sondern auch für omnis culpa haftet, ist nach dem 
übereinstimmenden Urteil der Schriftsteller unzweifelhaft'^. 
Anders ist es mit der Haftung für den durch Zufall verursachten 
Schaden. Obgleich sich auch die Geschäftswelt vielfach mit 
der Regelung dieser Frage beschäftigt hat, ist eine endgültige 
Lösung durch Bildung einer festen Usance noch nicht erfolgt 
und es steht bis jetzt nur fest, dass eine allgemein anerkannte 
Usance, die für die Haftung des Sortimentsbuchhändlers spräche, 
nicht vorliegt^). Schürmann allein tritt für eine angeblich be- 
stehende Usance ein^), die dem Sortimenter „die unbedingte 
und vollständige Haftung auferlegte. Sein Beweis ist aber als 
vollständig misslungen zu betrachten^), weshalb wir auf den- 
selben näher einzugehen nicht für nötig halten. 

Wir müssen nun, um die Frage der Gefahrstragung ent- 
scheiden zu können, da das Handelsgesetzbuch im Artikel 345 
nur allgemein dem Käufer, sobald die Ware übergeben ist, die 
Gefahr auferlegt, „durch diese Bestimmungen aber nicht aus- 
schliesst, dass die Gefahr schon seit einem früheren Zeitpunkte 
von dem Käufer getragen wird, sofern dies nach dem bürger- 
lichen Recht der Fall sein würde" eine Konstruierung des beim 
Konditionsgechäft vorliegenden Rechtsverhältnisses versuchen 



*) Buhl S. IG6. 

Schurmann, Usancen S. 102. 

Weidling, a. a. O. S. 107. 
3) Goldschmidt, Zeitschrift für Handelsrecht, Band XXXIII. S. 492. 

Weidling, a. a. O. S. 108. 
*) Sohürmann, Usancen S. 103 — 137. 
*) Hecht S. 320. 321. 

Buhl S. 168. 

Weidling, a. a. O. S. 107. 108. 



— 32 — 

Denn je nachdem man diesem Geschäft die eine oder andere 
der bekannten Vertragsfbrmen unterlegt, tritt eine verschiedene 
Haftung ein. Fasst man das Konditionsgeschäft als Mandat 
oder Verkaufskommission*) auf, so muss man dem Verleger 
den durch Zufall entstehenden Schaden auferlegen. Die gleiche 
Entscheidung muss getroffen werden, wenn man in dem Kon- 
ditionsgeschäft eine locatio conductio^) sieht; also in allen 
diesen Verträgen trifft der durch Gefahr verursachte Schaden 
den Eigentümer, wobei man jedoch nicht, wie Weidling^) dies 
gethan hat, für den Übergang der Gefahr als im gemeinen 
Recht allgemein geltend den Satz annehmen darf casum sentit 
dominus^;. Beim Trödelvertrage, welchem Buhl und Goldschmidt 
das Konditionsgeschäft subsumiren, trägt nach gemeinem Recht 
derjenige die Gefahr, der durch seine Offerte den Anstoss zum 
Geschäft giebt^), nach allgemeinem preussischen Landrecht®) 
derjenige, welcher die Sache zum Verkauf hingiebt. 

Der Kauf kann hier nur als bedingter in Frage kommen. 
Nimmt man Kauf unter einer Resolutivbedingung an''^), so fällt 
der Verlust dem Sortimenter zu^). Beim suspensiv bedingten 
Kauf trifft dagegen, weil ein reiner Kauf nicht vorliegt und es 
auch noch ungewiss ist, ob ein solcher z^ustande kommen wird, 
die Gefahr des Unterganges in der Schwebezeit den Verkäufer, 
die der Verschlechterung dagegen, falls die Bedingung eintritt, 
den Käufer^); falls die Bedingung nicht eintritt, hat der Käufer 
auch nicht einmal für Verschlechterung einzustehen, da dann 
gar kein Kauf vorhanden ist*^), so dass also beim Kauf auf 



H 



*) Häpe, Allgemeine Presszeitung 1844. No. 58. S. 230. 
2) Wächter S. 499. 
8) Weidling, a. a. O. S. 108. 

*) Goldschmidt, Zeitschrift für Handelsrecht Band XXXIIl. S. 493. 
^) Buhl S. 180; dies ist übrigens bestritten. 
«) A. L. 11. I. Teil XI. Titel § 516. 
'') Schürmann; Usancen S. 112. 

^) Endemann, Das deutsche Handelsrecht § HOB. S. 516. 
^) Windscheid, Lehrbuch des Pandektenrechts, § 390 Ib. S. 468. 
Thöl, Das Handelsrecht I. Bd. 11. Abteil. § 226. S. 280. 
Endemann, a. a. O. S. 515. ■ 
»«) Thül a. a. O. S. 280. 
1 8 pr. D. de periculo et commodo rei venditae (18,6): si qnidem defecerit 
condicio, nulla est emptio. 



— 33 — 

Probe, wo das Eintreten der Bedingung in das Belieben des 
Käufers gestellt ist, stets der Verkäufer den ganzen Verlust 
durch casus tragen muss^. 

Wir wollen nun das Konditionsgeschäft, wie es sich durch 
feststehende Usancen herausgebildet hat, mit den einzelnen be- 
kannten Vertragskategorien vergleichen, um zu sehen, ob wir 
so einen Anhalt für die Beurteilung der Frage nach der Haft- 
pflicht gewinnen. Wenden wir uns zunächst der Auffassung 
zu, welche den Konditionsvertrag für ein einfaches Mandat 
hält. Abgesehen davon, dass das Mandat seiner Natur nach 
unentgeltlich ist^), so ist selbst, wenn man dem Mandatar für 
die dem Mandanten geleisteten Dienste ein Entgelt zubilligt^), 
der Konditionsvertrag kein Mandat, da letzteres vom Auftrag- 
geber jederzeit widerrufen werden kann, während der Verleger 
das Konditionsgut dem Sortimenter die bestimmte Zeit hindurch 
zum Verkauf überlassen muss. Der von Buhl S. 176 und 
Wächter S. 497 angezogene Beweisgrund für die Verschieden- 
heit zwischen Mandat und Konditionsgeschäft, nach welchem 
der Tod des Mandanten das Mandat aufhebt, während der 
Tod des Verlegers auf das bestehende Rechtsverhältnis nicht 
einwirkt, ist hier nicht anwendbar, da das Handelsgesetzbuch 
das bürgerliche Recht insofern abgeändert hat, als es aus- 
drücklich*) einen Einfluss des Todes des Auftraggebers auf das 
Fortbestehen des Auftrages ausgeschlossen hat. Der Haupt- 
unterschied ist indes der, dass beim Konditionsgeschäft kein 
Auftrag des Verlegers an den Sortimenter vorliegt, dass letzterer 
den Verkauf vielmehr vollständig selbsständig betreibt, ohne 
Instruktionen vom Verleger zu empfangen und zwar im eigenen 
Namen, während der Mandatar meistens im Namen des Man- 
danten handelt. Dieser letzte Unterschied liesse vielleicht 
noch eine Art des Mandats, das Verkaufskommissionsgeschäft,; 
möglich erscheinen. Denn der Kommissionär führt die Ge- 



») Endemann, a. a. O. § 117 IV. S. 577. 

') 1. 13 pr. D. de praescr. verb. (19,5): Si tibi rem vendendam certo 
pretio dedissem, ut quo pluris vendidisses, tibi haberes^ placet, neqne man- 
dati esse actionem .... qiiia mandata grataita esse debent. 

') Windscheid, Lehrbuch des Pandektenrechts Band II. § 40. S. 538. 

*) H. G. B Artikel 2*9. 



— u — 

Schäfte ebenso wie der Sortimenter im eigenen Namen aus, 
aber auf Rechnung des- Kommittenten, der Sortimenter dagegen 
auf eigene Rechnung. Das Konditionsgeschäft ist ein Propre- 
geschäft; der Sortimenter läuft daher bei dem Konditions- 
geschäft ebenso wie der Verleger ein Risiko, da er die Auslagen 
für Transport nicht zurückerhält, auch wenn die Bücher nicht 
verkauft werden. Der Rabatt bietet ihm daher einen Gewinn 
aus einem Geschäfte^? die Provision wird dagegen für die 
Dienste des Kommissionärs gezahlt, der auch Transportspesen 
nicht zu zahlen braucht. Letzterer muss seinen Kommittenten 
von jedem Verkauf benachrichtigen und stets Rechnung ab- 
legen, der Sortimenter nicht^). 

Ebensowenig ist das Konditionsgeschäft ein Mietsvertrag. 
Die locatio conductio rei ist hier von vornherein ausgeschlossen, 
da beim Konditionsgeschäft die Waren zum Verkauf, nicht zum 
uti frui Heere gegeben werden^). Eine locatio conductio ope- 
rarum liegt deshalb nicht vor, weil, wie wir aus dem Fall des 
NichtVerkaufs gesehen haben, der Lohn nicht mit dem Verdienst 
des Sortimenters zu identifizieren ist*). Aus demselben Grunde 
ist das Konditionsgeschäft keine locatio conductio operis. Ausser- 
dem wird bei der Werkmiete eine gewisse Arbeit vermietet. 
Der Sortimenter übernimmt aber nicht die Pflicht der Lieferung 
einer gewissen Arbeit, welche in der Leistung des Verkaufs 
bestehen müsste, sondern er versucht nur den Verkauf und zwar 
liegt in diesem Versuch zugleich ein Recht für ihn. Er nimmt 
keine Bestellung auf eine Leistung an und erhält keine Vor- 
schriften vom Verleger als Auftraggeber über die Art der Her- 
stellung des opus. 

Auch der Kauf in seinen verschiedensten Variationen ist 
zur Bestimmung der juristischen Natur des Konditionsvertrags- 
verhältnisses herangezogen worden. 

Der resolutiv bedingte Kauf unterscheidet sich dadurch vom 
Konditionsgeschäft, dass bei letzterem der Verleger in derSchwebe- 



*) WeidÜDg, a a. O. S. 115. 

«) H. G. B. Artikel 361. 

') BHdz, Kritische Blätter civilistischen Inhalts No. 1 S. 5. 

*) Weidling, a. a. O. S. 113. 



- 35 — 

zeit Eigentümer des Konditionsguts bleibt und daher das Vindi- 
kationsrecht an demselben im Sortimenterkonkurse hat, während 
beim Kauf unter einer Resolutivbedingung das Eigentum mit 
Übergabe der Ware an den Sortimenter auf diesen übergehen 
müsste und erst wieder bei Nichteintritt der Bedingung an den 
Verleger zurückfiele, beziehungsweise zurückübertragen würde*). 

Den suspensivbedingten Kauf hat man zunächst als Kauf auf 
Probe oder nach Belieben unter einer Suspensivbedingung für 
anwendbar erachtet^) so Endemann, auch Koch 3) hält das Kon- 
ditionsgeschäft wenigstens zum teil verwandt mit dem Kauf nach 
Belieben. Beim Kauf auf Probe ist die Perfektion des reinen 
Kaufs abhängig nur vom Willen des Käufers*). Dies passt nur 
insofern auf das Konditionsgeschäft, als es auf den Willen des 
Sortimenters, die Waren zu behalten oder nicht, nur dann an- 
kommt, wenn sich in der Schwebezeit kein Käufer für die Waren 
findet. Denn in dieser Zeit steht die Vertriebspflicht des Sor- 
timenters über seinem Willen. 

Pohls ^j lässt beim Handel auf Kondition den Sortimenter 
„nur dann zur Bezahlung verpflichtet sein, wenn er die Bücher 
bis zur nächsten Messe wirklich verkauft hat**, sodass das Ge- 
lingen des Absatzes entscheidet. Er übersieht dabei vollständig, 
dass auch das Unterlassen rechtzeitiger Remission den Sorti- 
menter zur Zahlung verpflichtet. 

Unmöglich ist auch die von Hecht ^) aufgestellte Bedingung: 
„Der Verleger verkauft an den Sortimenter die Bücher unter 
der Bedingung, dass das Eigentum auf ihn übergehen solle, 
wenn Zahlung geleistet werde. Zahlungstermin ist der durch 
Unsance übliche. Wird an demselben Zahlung nicht geleistet, 
so ist die Suspensivbedingung defekt und der Sortimenter ist 
zur ordnungsmässigen Remission verpflichtet". Wie denkt sich 
Hecht hierbei die Remission der Bücher, wenn dieselben bereits 

*) Streitfrage. 

2) Endemann, das deutsche Handelsrecht § 133 No. 99 S. 832. 
*) Koch in Uoltzendorffs Rechtslexikon III. Band I. Hälfte Sortiments- 
bochhandel S. 711. 

*) Tböl, das Handelsrecht I. Band II. Abteil. § 259 S. 242. 
*) Pohls, Darstellung des Handelsrechts, Band I S. 242. 
•) Hecht S. 323. 



Q« 



— 36 — 

weiterverkauft sind und Zahlung nicht rechtzeitig geleistet ist, 
abgesehen davon, dass die Remission nicht eine Folge der nicht 
geschehenen Zahlung ist, sondern schon vor der Abrechnung 
ausgeführt sein muss*). 

Weidling erklärt das Konditionsgeschäft für einen Kauf, ge- 
stylt unter die negative Bedingung, dass der Kauf unbedingt 
werde, wenn nicht bis zu einem gewissen Termine Rückgabe der 
Konditionsware erfolgt ist.** Hiernach würde der Verkauf der 
Ware an einen Dritten das zwischen Verleger und Sortimenter 
schwebende Kaufgeschäft noch nicht unbedingt machen 2) und 
Weidling zieht hieraus denn auch die Konsequenz (S. 110), dass 
der Sortimenter berechtigt sei, ä condition erhaltene Bücher, die 
er schön weiter verkauft hat, wenn er sie durch Schenkung, Erb- 
schaft oder sonst irgendwie zurückerhält, dem Verleger zu re- 
mittieren. Diese Ansicht beruht auf einer vollständigen Verkennung 
der Grundbedingung des Konditionsgeschäfts, wie sich aus der 
geschichtlichen Entwickelung des Geschäfts ergiebt. Der Sorti- 
menter kauft das Buch nicht sofort fest, weil er nicht wissen 
kann, ob er es wird verkaufen können. Der Verleger über- 
lässt es ihm daher ä condition, um ihm einen Teil des Risikos 
abzunehmen, damit er den Verkauf versuche mit der still- 
schweigenden Voraussetzung, dass er, wenn ihm der Verkauf 
gelingt, zur Zahlung des zwischen beiden vereinbarten Preises 
verpflichtet sei. Erst in zweiter Linie kommt die Festsetzung 
einer bestimmten Zeit in Betracht, innerhalb deren die Remission 
des Nichtverkauften erfolgen soll, damit der Verleger für die 
Verwendung seiner Werke, die der eine Sortimenter nicht ver- 
kaufen kann, anderweitig Sorge zu tragen imstande ist. Die 
Nichtremission ist nur ein äusseres Zeichen (Willensäusserung) 
für den Verleger, dass der Sortimenter die Ware entweder ver- 
kauft oder selbst fest behalten hat und ihm daher aus einem 

•) Weidling, a. a. O. S. 123. 

2) WeidÜDg, a. a. O S. 123. 
S. 2 sagt Weidling im Widerspruch zu S. 123. Es ist dies das buchhänd- 
lerische Konditionsgeschäft d. h. das Rechtsverhältniss, welches entsteht, wenn 
ein Sortimentsbuchhändler von einem Verleger Artikel nimmt unter der Be- 
dingung, das Nichtverkaufte bis zu einem bestimmten Abrechnungstermine 
wiedergeben zu können, das Nichtzurückgegebene aber an diesem Termine 
bezahlen zu müssen. 



— 37 — 

dieser beiden Gründe für den Preis verhaftet ist. So definiert 
Meyer*) das Konditionsgeschäft denn auch folgendermassen: 
„Unter ä condition- Sendungen versteht man diejenigen Sen- 
dungen, welche unter der für jeden Fall stillschweigend ver- 
standenen und daher nicht besonders und ausdrücklich zu 
stellenden Bedingung bestellt und expediert werden, dass das 
Abgesetzte oder Festbehaltene zura nächsten Abrechnungstermine 
bezahlt, das Nichtabgesetzte und Nichtbehaltene bis zu dem- 
selben Termine an den Verleger zurückgegeben werde" und 
BuhP) formuliert die Bedingung bei dem Konditionsgeschäft, 
falls es als suspensiv bedingter Kauf aufgefasst wird, wie folgt: 
„wenn der Sortimenter das Buch verkauft oder fest behält". 
Nimmt man nun noch zu der Haftung des Sortimenters für 
den Preis aus den beiden Gründen des Weiterverkaufs oder 
Fostbehaltens hinzu, dass, wie wir gezeigt haben, das Kaufgeld 
für alle Konditionswaren, die der Verleger nicht zurückerhält, 
ein für alle mal erst am Zahlungstage auf der Otsermesse fällig 
ist, d. h. dass es so lange kreditiert ist, so ist es auch gemein- 
rechtlich ganz unzweifelhaft, dass mit dem Verkauf der Kon- 
ditionswaren durch den Sortimenter an einen Dritten die Be- 
dingung eines etwa angenommenen suspensiven Kaufs er- 
füllt ist. 

BuhP) will das Konditionsgeschäft auch als suspensiv be- 
dingten Kauf nach seiner Formulierung der Bedingung nicht gelten 
lassen. „Mit der Annahme eines solchen wäre das Remissions- 
recht des Sortimenters unvereinbar." Wenn diese Argumentation 
richtig wäre, so gäbe es überhaupt keinen suspensiv bedingten 
Kauf, bei welchem dem Käufer vor Eintritt der Bedingung das 
Kaufobjekt übergeben würde. Buhl denkt hier offenbar an 
einen puren Kauf. Dies zeigt sich auch aus Folgendem: er 
sagt: „Wenn der Sortimenter von dieser Befugnis — nämlich 
dem Remissionsrecht — Gebrauch macht, so wird dadurch 
nicht die Perfektion des Vertrags vereitelt, sondern einfach 
die Obligation, welche der Sortimenter auf sich nimmt, erfüllt." 

•) Meyer S. 46. 
') Buhl S. 167. 
*) Buhl S. 177. 



— 38 — 

Es wird durch die Remission aber doch gar nicht die Perfektion 
des Vertrags beim suspensiv bedingten Kauf vereitelt, sondern 
nur das Unbedingtwerden des Kaufs*). 

Streng genommen bedient man sich überhaupt nicht eines 
scharf logischen Ausdrucks, wenn man von einem Rechte der 
Remission des Sortimenters spricht. Die Remission ist, wie schon 
oben angedeutet ist, nur eine Willcnsäusserung des Sortimenters, 
welche dem Verleger anzeigt, dass das beim Eingehen des 
Konditionsvcrtra^es erwünschte Resultat eines reinen Kauf- 
geschäfts zwischen Sortimenter und Verleger infolge mangeln- 
den Konsenses von Seiten des Sortimenters nicht eingetreten 
ist. Man kann die Remission auch geradezu eine aus dem 
Nichteintreten des reinen Kaufs resultierende Pflicht nennen, 
nämlich dem Verleger die Bücher, welche sein Eigentum sind, 
wieder zuzustellen, da die Kontraktsverpflichlung des Verlegers, 
dem Sortimenter die Waren zum Verkauf zu überlassen, nun 
aufgehört hat, eine Pflicht, welche der Sortimenter einhalten 
muss, wenn er sich nicht des Rechts begeben will, den Kauf 
der in seinem Besitz befindlichen Konditionsartikel und somit 
deren Bezahlung zu vermeiden. 

Der Konditionsvertrag begründet nicht wie der Trödel- 
vertrag eine alternative Obigation des Sortimenters, entweder zu 
zahlen oder rechtzeitig zu remittieren, sondern nur zu zahlen, 
wenn der Fall des reinen Kaufs, der durch Nichtremission 
zu dem bestimmten Termine offenbar wird, eingetreten ist. 
Die Klage des Verlegers geht daher beim Konditionsgeschäft, 
wenn nicht bis zu dem usancemässigen oder besonders be- 
bestimmten Termine Remission erfolgt ist, nicht alternativ auf 
Zahlung oder Remission. VS^eder kann der Sortimenter alter- 
native Klageanstellung beanspruchen, noch darf der Verleger 
nach seiner Wahl, wie Cosack^) behauptet, entweder auf Zahlung 
oder auf Rückgabe der Bücher klagen. Denn die Nichtremission 
zeigt das Zustandekommen eines reinen Kaufs an, und der 
Verleger hat nun nur noch das Recht, auf Grund eines 



«) Weidling a. a. O. S. 136. 
2) Cosack, a. a. O. S. 280. 



^ - 39 — 

perfekten reinen Kaufgeschäfts Zahlung des Kaufpreises zu 
verlangen. 

Beim Trödelvertrage dagegen lautet die Klage alternativ 
auf Zahlung oder Ruckgabe der Kaufsache. Der Trödler kann 
nach seiner Wahl nach der Verurteilung die eine oder andere 
Klagforderung erfüllen. Diese Verschiedenheit der aus dem 
Vertrage zu geböte stehenden Klaganstellung beim Trödel- und 
Konditionsgeschäft ist das massgebende Unterscheidungsmerkmal 
zwischen beiden Geschäften. 

Wir haben also gesehen, dass Mandat, Verkaufskommission, 

) Mietsvertrag, Kauf auf Probe, resolutiv bedingter Kauf und der 

suspensiv bedingte Kauf in den verschiedenen Formulierungen 
seiner Suspensivbedingung durch Pohls, Hecht, Weidling sich 
mit dem Konditionsvertrage nicht decken. Wir haben ferner 
das Konditionsgeschäft unter dem Gesichtspunkt eines Kaufs 
unter der Suspensivbedingung nach der Buhl'schen Fassung 
betrachtet, „wenn der Sortimenter das Buch verkauft oder fest- 
behält", und haben hierbei, indem wir die von Buhl gegen 
eine solche Auffassung des Konditionsgeschäfts gemachten Ein- 
wendungen als unzutreffend widerlegten, gefunden, dass der 

v' Annahme eines suspensiv bedingten Kaufs beim Konditions- 

vertrage nichts entgegensteht, soweit die Bedingung „wenn der 
Sortimenter das Buch fest behält" in Frage kommt. Schon 
vorher hatten wir gegen Weidling nachgewiesen, dass ein 
reines Kaufgeschäft zwischen Verleger und Sortimenter durch 
Weiterverkauf der Waren durch den Sortimenter zustande- 
komme, mit andern Worten, dass dieser reine Kauf der Waren 
des Sortimenters vom Verleger durch den Weiterverkauf bedingt 
sei. Endlich hat der von uns geführte Beweis dafür, dass der 
Konditionsvertrag kein Trödelvertrag ist, gezeigt, dass die Ver- 
. pilichtungen hinsichtlich der Zahlung oder Remission und die 
dementsprechend dem Verleger gegebenen Klagen auf einen 
bedingten Kauf schliessen lassen. Denn alles, was hier gegen 
den Trödelvertrag gesagt ist, spricht zugleich für den suspensiv 
bedingten Kauf. Somit könnte man das Konditionsgeschäft 
für einen Kauf unter der alternativen Suspensivbedingung an- 
sehen: „wenn der Sortimenter das Buch verkauft oder fest 



- 40 - 

behält". Der Begriff des suspensiv bedingten Kaufs wiird« 
aber nicht unmittelbar die dem Konditionsgeschäft wesentliche 
Pflicht des Verlegers, dem Sortimenter die Ware bis zu dem 
durch Usance feststehenden respektive speziell festgesetzten 
Remissionstermine zu überlassen und die dementsprechende 
Gegenpflicht des Sortimenters, sich um den Verkauf der Waren 
zu bemühen, einschliessen. 

Dr. jur. Karl Friedrichs zeigt, dass die Form des be- 
dingten Kaufs das Rechtsverhältnis zwischen Sortimenter und 
Verleger über die ä condition erhaltenen Artikel nicht voll- 
kommen umfasse, indem er^ den Konditionsvertrag für eine 
„Korabination eines bedingten Kaufes mit einem bedingten, der 
Leihe (commodatum) ähnlichen Geschäfte erklärt". Dem 
Kommodat sieht nun allerdings dieses Vertragsverhältnis 
zwischen Verleger und Sortimenter nicht ähnlich, welches den 
ersteren zur Überlassung der Waren ohne Widerruf bis zum 
usancemässigen Termin, den letzteren zur Betreibung des Ab- 
satzes der Waren verpflichtet. Denn das Kommodat ist un- 
entgeltlich, also nur im Interesse des Kommodatars. Beim 
Kommodat wird ausserdem die betreffende Sache dem Kommo- 
datar zum persönlichen Gebrauch übergeben, beim Konditions- 
geschäft ist dies nicht der Fall. Wohl aber kann man dieses 
gegenseitige Verpfliclitungsverhältnis des Sortimenters und Ver- 
legers jener Klasse der Innominatkontrakte des gemeinen Rechts 
unterstellen, welche durch die Formel bezeichnet wird: facio 
ut facias. Wir halten daher den Konditionsvertrag für einen 
eigenartigen, durch die buchhändlerische Usance besonders aus- 
gestalteten Kontrakt, kombiniert aus der näher bezeichneten 
Kategorie der Innominatkontrakte mit dem Kauf unter der Be- 
dingung: „wenn der Sortimenter die Bücher verkauft oder fest 
behält". Die Klagen aus dem Innominatkontrakte werden 
natürlich nur insoweit in Anwendung kommen, als sie sich auf 
diese gegenseitige Verpflichtung von Sortimenter und Verleger 
beziehen, die durch Übergabe der Konditionsware an den Sorti- 



') No. G8 des Börsenblatts für den deutschen Buchhandel vom 24. März 
1890. Metakritik zu dem Gutachten von Aug. Schiirmann No. 58 des Blatts. 



— 41 — 

menter entsteht, also die Fälle, welche sich auf die Verpflich- 
tung des Verlegers beziehen, dem Sortimenter die Ware die 
usancemässige Zeit zu überlassen und auf die Gegenverpflich- 
tung des Sortimenters, den Absatz zu betreiben. Hier passt 
denn auch das Recht des Verlegers, die Bücher sofort zurück- 
zuverlangen, wenn der Sortiraenter sich seiner Vertriebspflicht 
entzieht, sehr gut zu der Berechtigung aus dem Innominat- 
kontrakt, nach welcher derjenige, welcher zuerst geleistet hat, 
statt auf Erfüllung zu klagen, auch vom Vertrage zurücktreten 
kann^). Für die Gefahrstragung werden dagegen die Bestim- 
mungen, welche für den suspensiv bedingten Kauf gelten, in 
Anwendung kommen müssen, so dass dem Verleger der Schaden 
des Untergangs der Waren durch casus anzurechnen ist. Was 
die Gefahr der Verschlechterung anbetrifft, so kommt es zunächst, 
wie oben gezeigt ist, darauf an, ob die Bedingung eintritt oder 
nicht. Da nun sowohl die eine Bedingung, dass die Bücher 
verkauft werden, thatsächlich nicht erfüllt werden wird — 
denn wer wird sich ein verschlechtertes Werk kaufen und 
denselben Preis zahlen wie für ein gut erhaltenes — und die 
Erfüllung der anderen Bedingung, dass der Sortimenter die 
Bücher fest behält, in sein Belieben gestellt ist, also auch nicht 
eintreten wird, so wird stets der Verleger auch den Verlust, 
welcher aus der Verschlechterung der Ware erwächst, tragen 
müssen. Diese Grundsätze über das periculum erfahren eine 
Ausnahme durch mora, wo stets der in mora Befindliche die 
Gefahr zu prästieren hat und da-sie nicht essentialia, sondern 
naturalia negotii sind-^j, auch durch besondere Verabredung der 
kontrahierenden Parteien. 

Es erübrigt noch, die Zeit zu fixieren, in der die Gefahr 
auf den Sortimenter übergeht. Bei Käufen gegen bar und in 
fester Rechnung trägt die Gefahr bis zum Eintreffen der Ware 
beim Kommissionär des Sortimenters der Verleger, von da an 
voll der Sortimenter; dies gilt natürlich nur für das Gebiet 
des preussischen Privatrechts; im Gebiete des gemeinen Rechts 



I) Dernburg. Pandekten Band II S. 19. 
«) Buhl S. 167. 



— 43 — 



Lebenslauf. 



Verfasser der vorliegenden Dissertation, Paul Richard Max Ikier, 
geboren den ?8. März 1867 zu Wongrowitz (Prov. Posen) als Sohn des 
Gutsbesitzers Rudolf Ikier und seiner Ehefrau Auguste geb. Arndt, evangelischer 
Konfession, erhielt seine gymnasiale Ausbildung auf dem Königlichen Gym- 
nasium zu Wongrowitz und dem Askanischen Gymnasium zu Berlin, welches 
letztere er Michaelis 1886 mit dem Zeugnis der Reife verliess, um Staats- 
und Rechtswissenschaften zu studieren. Die beiden ersten Semester verbrachte 
er in Lausanne, wo er die Herren Professoren Erman, Roguin und Rambert 
hörte, die folgenden 5 Semester studierte er in Berlin und besuchte hier die 
Vorlesungen folgender Herren Professoren: Brunner, Dambach, Dernburg, 
Eck, Giercke, von Gneist, Goldschmidt, Gradenwitz, Hinschius, Hübler, Kohler, 
Rnbo. Während seines 3. und 4. Studiensemesters genügte er gleichzeitig 
seiner militärischen Dienstpflicht bei der 2. reitenden Batterie 1. Garde-Feld- 
Artillerie-Regiments in Berlin. Den 9. Juni 1890 bestand er die erste juristische 
Prüfung auf dem Königlichen Kammergericht zu Berlin und wurde den 
14. Juni zum Referendar in Schwedt a. O. ernannt.